
Eine neue Zuchtplanungssoftware ZPLAN+ steht nach der Entwicklungsphase im Forschungsverbund FUGATO+brain für Endanwender zur Verfügung. Die Software modelliert und berechnet komplexe Zuchtprogramme und verschiedene Zuchtplanungsszenarien. Unabhängig von der Tierart können tierzüchterische Modellrechnungen durchgeführt werden, um Zuchtfortschritte zu berechnen. Das Angebot richtet sich an Zuchtunternehmen für eigene Planungsrechnungen, sowie an Hochschulen für den Einsatz in der Lehre.
Die Optimierung von Zuchtprogrammen beruht auf dem Zusammenspiel von drei funktionalen Kernbereichen: Selektion, Genfluss und ökonomische Modellierung.
Selektion bedeutet zunächst die Auswahl der Zuchttiere als Eltern der nächsten Generation aufgrund der zum Zeitpunkt der Selektion vorhandenen Information. Diese Information kann sehr vielgestaltig sein, neben Leistungen des Selektionskandidaten selbst können dies auch Leistungen von Verwandten (Eltern, Nachkommen etc.) oder Leistungen in genetisch korrelierten Merkmalen sein. Als neue Informationsquellen kommen seit neuestem genomische Informationen hinzu. Weiterhin erfolgt die Auswahl der Zuchttiere häufig in mehreren Stufen, indem etwa Jungtiere zunächst nach der zu dem Zeitpunkt vorhandenen begrenzten Information vorselektiert werden und später nach einer intensiveren Leistungsprüfung die endgültige Zuchtwahl getroffen wird. Die in ZPLAN+ umgesetzten Erweiterungen in diesem Bereich umfassen insbesondere: die zahlenmäßig unbegrenzte Kombination von Informationsquellen in der Selektionsentscheidung; die Möglichkeit, marker- oder genombasierte Information unmittelbar einzubeziehen; die optimale Ressourcenallokation in einer Mehrstufenselektion, die nicht mehr prinzipiell auf nur zwei Stufen begrenzt ist;
Der Genfluss-Ansatz (Hill, 1974) beschreibt die Verbreitung von Genen aus einer Selektionsstufe in der Population. Dies ist von zentraler Bedeutung, da häufig erst bei den Nachkommen der selektierten Tiere der Zuchtfortschritt realisiert wird. Entsprechend ist es wichtig korrekt zu erfassen, an wie viele Nachkommen die Gene direkt oder indirekt weitergegeben werden, und zu welchem Zeitpunkt diese dann die entsprechend verbesserte Leistung erbringen. Genflüsse in realen Zuchtprogrammen sind häufig sehr komplex, da in unterschiedlichen Teilpopulationen unterschiedliche Selektionsstrategien verfolgt werden, und da aufgrund der mehrjährigen Nutzung der besten Zuchttiere keine klar abgegrenzten Generationen, sondern sog. überlappende Generationen existieren.
Der dritte Kernbereich der Zuchtplanungsrechnung ist die ökonomische Modellierung. Da die Optimierung anhand ökonomischer Kriterien (z.B. diskontierter Gewinn, Verzinsung des eingesetzten Kapitals) erfolgt müssen alle Input- und Outputkomponenten monetär bewertet werden. In Zuchtprogrammen fällt der Nutzen (höhere Leistungen, geringere Krankheitsanfälligkeit etc.) typischerweise viel später an als die Züchtungskosten. Daher ist es entscheidend, den zeitlichen Anfall der ökonomisch relevanten Ereignisse zu kennen um Kosten und Erlöse auf einen einheitlichen Zeitpunkt zu diskontieren.
Die Software ist Internet basiert und wird per Internetbrowser gesteuert. Sie hat eine grafische Benutzeroberfläche, einfache Menüführung und Schnittstellen zum Export von Ergebnissen in Standardprogramme.
Weitere Informationen, u.a. zum Lizenzerwerb, erhalten sie unter der Adresse:
helge.taeubert@vit.de