Welches Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt

Die Vorsilben „Öko“ und „Bio“ werden nach Ansicht der Umweltexperten Dirk Maxeiner und Michael Miersch zur Zeit an alles Mögliche geklebt, ohne dass jemand nachfragt, ob die so geadelten Produkte oder Verfahren tatsächlich einen Umweltvorteil bieten. Nicht überall, wo „grün“ drauf steht, sei auch „grün“ drin. Was in der Bevölkerung als ökologisch gilt, habe meist mehr mit geschickter Imagepolitik von Interessengruppen zu tun als mit Fakten. „Bio ist prima fürs Klima!“ werben Ökoagrarverbände und fordern einen „Klimabonus“ für ihre Betriebe. Ihr Argument: Wir sparen Mineraldünger, zu dessen Herstellung fossile Brennstoffe verbraucht werden.
Konventionelle Bauern kontern: „Mehr Milch pro Kuh ist aktiver
Klimaschutz!“ Ihr Argument: Konventionelle Höfe erzeugen mehr Milch,
Fleisch und Eier pro Tier. Auch erreichen die Tiere ihr Schlachtgewicht
viel früher, leben also kürzer und brauchen weniger Futter. Ergo: Sie
stoßen weniger klimaschädliches Methan aus. Biosprit, Bionahrung oder
Bioplastik – für Maxeiner und Miersch sind das hochtrabende Floskeln
mit wenig Substanz. Die beiden Wissenschaftsjournalisten haben für ihr
neues Buch „Biokost & Ökokult. Welches Essen ist wirklich gut für
uns und unsere Umwelt” alle großen Untersuchungen und Meta-Studien
recherchiert und kommen zu einem niederschmetternden Resümee. Es gebe
keine Studie, die den Vorteil von Bio beweist: „Die Kritik an
‚industrieller Landwirtschaft’ und ‚entfremdeten Lebensmitteln’ ist
schön bequem, aber auch pharisäerhaft. Da hat sich ein ganzer Treck von
Sehnsüchten, Nostalgien und Naturverklärungen in Gang gesetzt, der
nicht mehr nach Logik oder Fakten fragt. Landwirtschaft war schon immer
unnatürlich, auch wenn das manche Verkünder des Biobauerntums gern
ausblenden. Von unserer ursprünglichen Lebensweise als Jäger und
Sammler haben wir uns vor 10.000 Jahren verabschiedet - und zwar
unumkehrbar. Weizen ist kein natürliches Nahrungsmittel des Homo
sapiens. Weizenkörner entstanden durch künstliche Selektion. Kuhmilch
gehört keineswegs auf unseren natürlichen Speiseplan. Auch Mais oder
Blumenkohl kommen in der Natur so nicht vor, sondern wurden vom
Menschen entwickelt. Ganz zu schweigen vom Käse, einer frühen Ausgeburt
bakterieller Lebensmitteltechnik. Weder waren die früheren Formen der
Tierhaltung grundsätzlich humaner, noch waren die produzierten
Nahrungsmittel gesünder als heutige. Die Gefahr von Erkrankungen und
Vergiftungen durch Nahrungsmittel ist dank moderner Hygiene und
Konservierungsstoffe sogar drastisch zurückgegangen. Magenkrebs wird
immer seltener, weil moderne Frischhalteverfahren die alten und
gesundheitlich bedenklichen zurückgedrängt haben, beispielsweise
Räuchern und Pökeln. Plastikversiegelung, Dose, Tiefkühltruhe und
Kühlschrank mögen unsere Nahrungsmittel ‚entfremden’, sie sind aber ein
Segen für die Gesundheit“, so das Plädoyer der beiden Buchautoren.
Dirk Maxeiner, Michael Miersch: Biokost & Ökokult – Welches
Essen ist wirklich gut für uns und unsere Umwelt, Piper-Verlag, 2008,
238 Seiten, 14 Euro.
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