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04.03.2011 RSS Feed

DGE-Leitlinie zur Bedeutung der Kohlenhydrate veröffentlicht

News des Systemed-VerlagsSytemed - Zum zweiten Mal wertete die Deutsche Gesellschaft für ernährung (DGe) die wissenschaftliche Literatur zu einem Thema systematisch aus und erstellte aus den so gewonnenen Erkenntnissen eine Leitlinie, um der Ernährungsberatung und den Medien »wissenschaftlich abgesicherte Informationen« bereitzustellen. Nach dem Fett (2006) waren nun die Kohlenhydrate und ihre Bedeutung in der Vorbeugung von Übergewicht, Typ-2-Diabetes, koronaren Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Krebs und Fettstoffwechselstörungen Gegenstand der Untersuchung.
Die Kohlenhydrat-Leitlinie war mit Spannung erwartet worden. Immerhin empiehlt die DGE mit Hinweis auf gesundheitliche Vorteile seit Langem eine kohlenhydratreiche Ernährung für alle Bürger (mehr als 50 Prozent der Kalorien).
Jetzt wurden die Ergebnisse der Literaturauswertung im Internet veröffentlicht – bislang allerdings ganz still und leise, ohne begleitende Presseinformation. Ob es daran lag, dass sich keinerlei vorbeugender Effekt einer hohen Kohlenhydratzufuhr finden ließ?

Mehr FettDie Leitlinie zeige, so die DGE, dass die Qualität der Kohlenhydrate eine größere Rolle für die Vorbeugung der genannten Krankheiten spiele als die Quantität. So fanden sich lediglich für eine hohe Ballaststoff- bzw. Vollkornzufuhr wahrscheinliche Evidenzen für krankheitsvorbeugende und cholesterinsenkende Wirkungen.
Und nur bei zuckergesüßten Getränken war eine wahrscheinliche Evidenz für ein steigendes Adipositas- und Typ-2-Diabetes-Risiko erkennbar.v ....
Besonders spannend war die Frage, zu welchen Ergebnissen die Leitlinie im Kapitel »Dyslipoproteinämie« kommen würde. Tatsächlich konstatiert die DGE korrekt, dass der Quotient aus Gesamt- und HDL-Cholesterin eine größere Vorhersagekraft für koronare Herzkrankheiten besitzt als Gesamt- oder LDL-Cholesterin für sich genommen. Sie weist auch darauf hin, dass weniger gesättigte Fettsäuren im Austausch gegen Kohlen hydrate – wie seit Jahrzehnten von der DGE  empfohlen – diesen Quotienten nicht verändert, also auch nicht verbessert.
Sie gibt auch zu, dass der Quotient sich verschlechtert, wenn Kohlenhydrate anstelle von ungesättigten Fettsäuren gegessen werden. Und die DGE bestätigt, dass eine hohe Kohlenhydratzufuhr zulasten der Fette die Triglyzeride steigert und das HDL-Cholesterin senkt und dass sich diese Effekte mit zunehmendem Übergewicht verstärken. Unterm Strich also jede Menge ungünstiger Wirkungen, wenn, wie von der DGE empfohlen, Fett gespart und dafür mehr Kohlenhydrate gegessen werden.
Wie hanebüchen das bisherige Vorgehen der DGE  ist, lässt sich in dem kürzlich erschienen Buch »Mehr Fett!« von Dr. Nicolai Worm und Ulrike Gonder detailliert nachlesen. All die dort aufgeführten und in der Fachliteratur hinreichend beschriebenen Effekte von Kohlenhydraten und Fetten ließ die DGE bei ihren Empfehlungen über Jahrzehnte unberücksichtigt.
Immerhin muss die DGE nun zugeben, dass aufgrund ihrer Leitlinie »keine Aussage zur optimalen Höhe der Kohlenhydratzufuhr gemacht werden« können. Ob sie ihre Empfehlungen nun ändert? Nein. Man könne nun Empfehlungen zur Kohlenhydratqualität aussprechen, die »die bisherigen DGE-Empfehlungen zur Lebensmittelauswahl unterstützen«.
Das heißt konkret: Obwohl man feststellen musste, dass es zur Prävention der genannten Zivilisationskrankheiten unerheblich ist, wie viel Kohlenhydrate gegessen werden, dass sich die Fettstoffwechselwerte jedoch unter Kohlenhydratreduktion verbessern, empiehlt man weiterhin mehr als 50 Prozent der Kalorien durch Kohlenhydrate aufzunehmen und beim Fett zu sparen. Das verstehe, wer will.

DGE hat Angst vor eigener Leitlinie?
So als fürchte man sich vor den logischen Konsequenzen der eigenen Leitlinie, gab man begleitend ein Positionspapier heraus, in dem die bisherigen Empfehlungen weiter hoch gehalten werden. In den letzten Zeilen dieses Papiers lassen sich dennoch erste Zeichen einer Trendwende erkennen. Dort steht, die DGE halte eine geringere Kohlenhydratzufuhr als bisher für »vertretbar«, sofern vier Bedingungen erfüllt sind: ausreichend Vitamine, Mineralstoffe und essenzielle Fettsäuren, überwiegend Getreideballaststoffe, keine zusätzlichen gesättigten Fettsäuren und trans-Fettsäuren und kein zusätzliches Protein in Form von (rotem) Fleisch. Über einige dieser Bedingungen ließe sich debattieren. Gleichwohl könnte dieses »Zugeständnis« der lang ersehnte Beginn vom Ende der hohen Kohlenhydratempfehlungen sein.

LOGI-Newsletter März 2011

Systemed-Verlag


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