Seit 1989 ist der Einsatz von polychlorierten Biphenylen (PCB) in Deutschland verboten. Über die Umwelt können PCB, die dort immer noch nachweisbar sind, in die Nahrung gelangen. Sie reichern sich im Fettgewebe von Tieren und Menschen an. Die Gruppe der polychlorierten aromatischen Biphenyle umfasst rund 200 Substanzen. Sie können unter anderem das Immunsystem und das zentrale Nervensystem schädigen. Ein Teil der Verbindungen weist dioxinähnliche Strukturen und Wirkungen auf. Sie werden deshalb dioxin-like-PCB genannt. Andere polychlorierte Biphenyle haben in ihrer Wirkung keine oder wenig Ähnlichkeit mit Dioxinen und werden deshalb als non-dioxin-like-PCB bezeichnet. Verbraucher können diese Verbindungen über fetthaltige tierische Nahrung wie Milch, Fleisch, Eier und Fisch aufnehmen. Bei den aktuell gemeldeten Fällen sind die PCB wahrscheinlich durch kontaminierte Futtermittel in die Tiere gelangt.
Die aktuell gemessenen PCB-Gehalte in irischen Schweinefleischprodukten sind deutlich höher als die, die durch die übliche Hintergrundbelastung über die Umwelt hervorgerufen werden. Bei einem Verzehr dieser betroffenen Lebensmittel kann der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte Wert für die lebenslange tägliche Aufnahme (tolerable daily intake, TDI) kurzfristig deutlich überschritten werden. Unter Berücksichtigung der zur Zeit zur Verfügung stehenden Daten besteht für Verbraucher in Deutschland nach einer ersten Einschätzung des BfR keine unmittelbare gesundheitliche Gefährdung durch kurzfristige Exposition. Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind bei länger andauernder Exposition mit hohen Gehalten an PCB-enthaltenden Schweinefleischprodukten jedoch nicht auszuschließen. Diese Lebensmittel sind daher nicht für den Verzehr geeignet und müssen aus der Nahrungskette entfernt werden.
Das BfR bewertet derzeit die verfügbaren Daten und steht mit der Lebensmittelsicherheitsbehörde in Irland in engem Kontakt. Somit soll gemeinsam mit der Lebensmittelindustrie und der Lebensmittelüberwachung eine adäquate Datengrundlage für eine umfassende Risikobewertung geschaffen werden.
Die irischen Behörden hatten am Wochenende vor dem Verzehr von Schweinefleisch aus eigener Produktion gewarnt und eine Rückrufaktion für alle Schweinefleischprodukte mit einem Herstellungsdatum ab dem 1. September eingeleitet. Verbraucher sollten aber vorsorglich ihre Kühltruhen und Vorräte kontrollieren und irische Schweinefleisch-Produkte aus diesem Zeitraum besser nicht verzehren (Fleisch-/Produkte mit Verpackungscode IRL).
Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat am Wochenende die Länderministerien informiert und die Lebensmittelindustrie am Sonntag aufgefordert, irisches Schweinefleisch vorsorglich vom Markt zu nehmen.
Laut irischen Behördengaben tauchte belastetes Schweinefleisch bereits in Belgien, Frankreich und Holland auf. Auch nach Deutschland sollen ca. 2.000 Tonnen irisches Schweinefleisch gelangt sein. Dabei handelt es sich um Schweinehälften oder Teilstücke und keine verarbeiteten Produkte, wie Würste.Die Bundesländer und die zuständigen Behörden sind informiert. Die Lieferlisten liegen dort vor.
Nach dem jetzigen Erkenntnisstand ging das Fleisch nach Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.
In Deutschland werden jährlich 4,6 Mio. Tonnen Schweinefleisch verbraucht, davon stammen 4,5 Mio aus eigener Produktion.
Im QS-Prüfsystem für Lebensmittel wird kein irisches Schweine- und Rindfleisch produziert, verarbeitet oder vermarktet. Auch Futtermittel irischer Hersteller werden im QS-System nicht eingesetzt. Daher sind Fleisch und Fleischwaren aus dem QS-System von den jüngsten Berichten über dioxinbelastetes Schweinefleisch nicht betroffen. Schweine- und Rindfleisch mit dem QS-Prüfzeichen im Lebensmitteleinzelhandel unterliegen der umfassenden Qualitäts- und Herkunftssicherung."Auf diese Qualitätssicherung können die Verbraucher vertrauen," heißt es in einer Pressemeldung der QS Qualität und Sicherheit GmbH.
Weitere Meldungen zu irischem Schweinefleisch auf dieser Homepage
Food Safety Authority of Ireland (FSAI)
Bundesinstitut für Risikobewertung