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08.12.2008

Dioxinähnliche PCB in Schweinefleisch aus Irland

Nach aktuellen Angaben des europäischen Schnellwarnsystems sind in Schweinefleischprodukten aus Irland Gehalte an polychlorierten Biphenylen (PCB) von bis zu 292 µg/kg nachgewiesen worden. Da die gesetzlich zulässigen Höchstwerte in den untersuchten Proben deutlich überschritten wurden, werden die betroffenen Lebensmittel derzeit von der irischen Regierung zurückgerufen. Den deutschen Behörden wurde der Vorfall über das europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel gemeldet. „Derzeit wird auch in Deutschland geprüft, ob und in welchem Umfang irisches Schweinefleisch importiert wurde, um es auch hier aus Vorsorgegründen vom Markt zu nehmen“ sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Seit 1989 ist der Einsatz von polychlorierten Biphenylen (PCB) in Deutschland verboten. Über die Umwelt können PCB, die dort immer noch nachweisbar sind, in die Nahrung gelangen. Sie reichern sich im Fettgewebe von Tieren und Menschen an. Die Gruppe der polychlorierten aromatischen Biphenyle umfasst rund 200 Substanzen. Sie können unter anderem das Immunsystem und das zentrale Nervensystem schädigen. Ein Teil der Verbindungen weist dioxinähnliche Strukturen und Wirkungen auf. Sie werden deshalb dioxin-like-PCB genannt. Andere polychlorierte Biphenyle haben in ihrer Wirkung keine oder wenig Ähnlichkeit mit Dioxinen und werden deshalb als non-dioxin-like-PCB bezeichnet. Verbraucher können diese Verbindungen über fetthaltige tierische Nahrung wie Milch, Fleisch, Eier und Fisch aufnehmen. Bei den aktuell gemeldeten Fällen sind die PCB wahrscheinlich durch kontaminierte Futtermittel in die Tiere gelangt.

Die aktuell gemessenen PCB-Gehalte in irischen Schweinefleischprodukten sind deutlich höher als die, die durch die übliche Hintergrundbelastung über die Umwelt hervorgerufen werden. Bei einem Verzehr dieser betroffenen Lebensmittel kann der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegte Wert für die lebenslange tägliche Aufnahme (tolerable daily intake, TDI) kurzfristig deutlich überschritten werden. Unter Berücksichtigung der zur Zeit zur Verfügung stehenden Daten besteht für Verbraucher in Deutschland nach einer ersten Einschätzung des BfR keine unmittelbare gesundheitliche Gefährdung durch kurzfristige Exposition. Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind bei länger andauernder Exposition mit hohen Gehalten an PCB-enthaltenden Schweinefleischprodukten jedoch nicht auszuschließen. Diese Lebensmittel sind daher nicht für den Verzehr geeignet und müssen aus der Nahrungskette entfernt werden.

Das BfR bewertet derzeit die verfügbaren Daten und steht mit der Lebensmittelsicherheitsbehörde in Irland in engem Kontakt. Somit soll gemeinsam mit der Lebensmittelindustrie und der Lebensmittelüberwachung eine adäquate Datengrundlage für eine umfassende Risikobewertung geschaffen werden.


Dioxinquelle


Die Quelle der extrem hohen Dioxinbelastungen, die in Irland sowohl in Schweinefutter als auch in Schweinefleisch entdeckt wurde, scheint geklärt. Die Eintragsquelle liegt demnach nicht in der Verwendung industriell hergestellten Mischfutters.
Wie die Irische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Food Safety Authority of Ireland: FSAI) mitteilt, ist bei der Lebensmittel-RecyclinfirmaMillstream Power Recycling Ltd“ in der irischen Grafschaft Carlow Industrieöl in die Produktion gelangt. Ein Firmensprecher bestätigte, dass ein solches Industrieöl in einer Anlage zur Trocknung von Futtermitteln eingesetzt wurde. Das Industrieöl sei aber niemals wissentlich oder willentlich dem Futter beigemischt worden. Laut FSAI deutet das Muster der gefundenen Dioxine auf Transformatorenöl hin.
Von den rd. 500 irischen Schweinefarmen, haben nur 10 Betriebe die aufbereiteten Lebensmittel erhalten. Weil eine eindeutige Rückverfolgung des Fleisches und der Schweinefleischprodukte zu den 10 Betrieben nicht möglich war, hat sich die Irische Regierung dazu entschlossen, sämtliches Fleisch ab 01. September zurückzurufen. (Quelle: MIDDAY EXPRESS 8.12.2008)

Abnehmer irischen Schweinefleisches


Die irischen Behörden hatten am Wochenende vor dem Verzehr von Schweinefleisch aus eigener Produktion gewarnt und eine Rückrufaktion für alle Schweinefleischprodukte mit einem Herstellungsdatum ab dem 1. September eingeleitet. Verbraucher sollten aber vorsorglich ihre Kühltruhen und Vorräte kontrollieren und irische Schweinefleisch-Produkte aus diesem Zeitraum besser nicht verzehren (Fleisch-/Produkte mit Verpackungscode IRL).

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat am Wochenende die Länderministerien informiert und die Lebensmittelindustrie am Sonntag aufgefordert, irisches Schweinefleisch vorsorglich vom Markt zu nehmen.

Laut irischen Behördengaben tauchte belastetes Schweinefleisch bereits in Belgien, Frankreich und Holland auf. Auch nach Deutschland sollen ca. 2.000 Tonnen irisches Schweinefleisch gelangt sein. Dabei handelt es sich um Schweinehälften oder Teilstücke und keine verarbeiteten Produkte, wie Würste.Die Bundesländer und die zuständigen Behörden sind informiert. Die Lieferlisten liegen dort vor.

Nach dem jetzigen Erkenntnisstand ging das Fleisch nach Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.


In Deutschland werden jährlich 4,6 Mio. Tonnen Schweinefleisch verbraucht, davon stammen 4,5 Mio aus eigener Produktion.


Kein irisches Fleisch im QS-System


Das neue QS-LogoIm QS-Prüfsystem für Lebensmittel wird kein irisches Schweine- und Rindfleisch produziert, verarbeitet oder vermarktet. Auch Futtermittel irischer Hersteller werden im QS-System nicht eingesetzt. Daher sind Fleisch und Fleischwaren aus dem QS-System von den jüngsten Berichten über dioxinbelastetes Schweinefleisch nicht betroffen. Schweine- und Rindfleisch mit dem QS-Prüfzeichen im Lebensmitteleinzelhandel unterliegen der umfassenden Qualitäts- und Herkunftssicherung."Auf diese Qualitätssicherung können die Verbraucher vertrauen," heißt es in einer Pressemeldung der QS Qualität und Sicherheit GmbH.

Folgen


Für die irische Landwirtschaft könnte der Dioxin-PCB-Skandal schlimmere Folgen haben als seinerzeit der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche oder BSE, befürchtete der agrarpolitische Sprecher der oppositionellen Labour-Partei, Sean Sherlock. In Irland ist der Schweinemarkt der viert wichtigste Wirtschaftssektor. 500.000 Schweine werden allein nach England geliefert.


Sowohl die Lebensmittelüberwachungsbehörden als auch die betroffene Wirtschaft in Deutschland haben nach Bekanntwerden zügig mit der Sicherstellung noch vorhandenen Fleisches begonnen. Diese Maßnahmen werden seit dem 08.12. auch bis in den Einzelhandel überwacht.
Im zweiten Schritt geht es darum, hergestellte Fleisch-Erzeugnisse zu identifizieren, ebenfalls sicherzustellen, um dann zu prüfen, ob sie mit dioxinähnlichen PCB`s belastet sind.
Das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, hat angekündigt, vorsorglich bei weiteren Produkten irischer Herkunft den Dioxingehalt zu überprüfen.
Minister Uhlenberg hat sich darüber hinaus in einem Schreiben an die Bundeslandwirtschaftsministerin dafür ausgesprochen, von den irischen Behörden deutliche Garantieerklärungen bei der EU in Brüssel einzufordern, dass weder weitere Futtermittel belastet noch dass andere Bereiche der Lebensmittelkette betroffen sind.


Weitere Meldungen zu irischem Schweinefleisch auf dieser Homepage


Food Safety Authority of Ireland (FSAI)

Bundesinstitut für Risikobewertung

QS Qualität und Sicherheit GmbH

BMELV

MUNLV Düsseldorf

MLUR Schleswig-Holstein

Was sind Dioxine?


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