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11.08.2010RSS Feed

Große Kluft zwischen Moralvorstellung und Einkaufverhalten

Im Zuge der Kritik an Discountern über Niedrigstlöhne, fragwürdige Arbeits- und Kündigungsmethoden sowie unzumutbare Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern hat das Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln das Verbraucherverhalten in einer Studie untersucht. Das Ergebnis: der Anspruch der Konsumenten nach sozial und ökologisch unbedenklichen Konsumgütern und das tatsächliche Kaufverhalten klaffen eklatant auseinander. Mehr als drei Viertel aller Verbraucher legen beim Einkauf Wert darauf, dass die Waren nach umweltverträglichen Aspekten hergestellt werden. Zudem befürworten die Konsumenten, das die Produkte in Bezug auf die Arbeitsbedingungen fair sind und soziale Mindeststandards (Code of Conduct) erfüllen. Kinderarbeit ist tabu. Doch die aktuellen Marktzahlen des IFH belegen: gekauft wird weiterhin im preiswerten Segment. >>>

Insgesamt halten 23,9 Prozent aller befragten Verbraucher diese Aspekte für wichtig, sogar 54,5 Prozent für sehr wichtig. Weitere Studien zeigen: die Mehrzahl der Kunden achtet etwa auf Schadstoffe in Textilien oder auf fair gehandelte Produkte und ist bereit, für nachhaltige und bessere Waren auch höhere Preise zu zahlen. Im Grunde möchte der Kunde ein reines Gewissen beim Kauf haben, aber im Ergebnis entscheidet er sich für den günstigeren Preis, so Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH, einem auf den Handel spezialisierten Beratungsunternehmen.

 

Seit dem Jahr 2000 sinkt laut IFH der durchschnittliche Anteil der privaten Konsumausgaben für Bekleidung und Schuhe (aktuell gut 5,3%) kontinuierlich. Die Konsumenten geben immer weniger Geld für Ihre Bekleidung aus. Der Trend ist in Deutschland eindeutig. Der Markt polarisiert sich in einen Qualitäts- und einen Preismarkt, betont Branchenexperte Hedde. Während der qualitätsorientierte Fachhandel zunehmend Marktanteile verliert, wachsen unter den Filialisten vorwiegend die preisorientierten Textildiscounter, die auch zunehmend im Sperrfeuer der öffentlichen Kritik stehen. Der Teil des Bekleidungsmarktes, der fast ausschließlich über den günstigen Preis verkauft, habe, so das IFH, seinen Marktanteil seit 2002 verdoppelt und mache mittlerweile mehr als 12 Prozent des Marktvolumens aus.


Viele Verbraucher mit geringen Einkommen haben kaum die Wahl, ob sie bei Textildiscountern kaufen oder nicht. Doch der Erfolg bei den Discountformaten hat sich über viele Jahre entwickelt, wobei das Wachstum nicht nur durch die Zielgruppe der niedrigen Einkommensschichten beschleunigt wurde, sagt IFH-Geschäftsführer Boris Hedde. Zwischen den lautstarken Forderungen der Mehrheit der Verbraucher an den Handel und den realen Kaufentscheidungen liegen Welten.


Kontakt

Boris Hedde
Geschäftsführer

 

Tel.: 0221-943607-10

E-Mail: b.hedde@ifhkoeln.de


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