Deutsche Schweinefleischproduktion - eine Wachstumsbranche im Zentrum Europas
Trotz knapper Margen in der Schweinehaltung und interessanter Alternativen in der Energiewirtschaft werden in Deutschland neue Ställe gebaut — insbesondere für die Mast. Die Schlachtungen sind in den letzten 10 Jahren jährlich um rd. 1 Mio. Stück auf mehr als 55 Mio. gestiegen. Deutschland hat sich innerhalb kurzer Zeit zum Nettoexporteur entwickelt, mit Absatzmärkten in aller Welt, insbesondere in Europa und Asien. Dies zeugt von einer enormen Leistungsfähigkeit des Wirtschaftssektors.
Der Kosten– und Erfolgsdruck sowie zunehmende Anforderungen des Umwelt– und Tierschutzes führen zu neuen Herausforderungen und beschleunigen den Strukturwandel. Diese Dynamik zieht eine Verschärfung des interregionalen europäischen Wettbewerbs nach sich, mit gravierenden Auswirkungen für alle Stufen der Produktionskette, von der Züchtung bis zur Schlachtung.
"Angesichts nahezu dauerhaft unbefriedigender Erlöse stellt sich die Frage nach dem Grund für diese Entwicklung. Und es ist wichtig zu wissen, wie es weitergeht, wenn wir investieren!", führte der Vorsitzende des Zentralverbandes der Deutschen Schweineproduktion in die Fachtagung am 12. Mai in Lübeck ein.
"Insgesamt besteht der Eindruck, dass wir im Vergleich zu unseren starken Nachbarn Dänemark und Niederlande gut aufgestellt sind. Hierzu wollen wir heute die Hintergründe beleuchten und wir wollen uns beispielhaft ansehen, wie zukunftsorientierte Betriebe mit dieser Entwicklung umgehen und sich rüsten, um langfristig das Familieneinkommen zu sichern."
Bestimmungsfaktoren für die Entwicklung der Schweinefleischproduktion
 Dr. Karl-Heinz Tölle, Wochenblatt Westfalen-Lippe Für Dr. Karl-Heinz Tölle, Chefredakteur des Landwirtschaftlichen Wochenblattes Westfalen-Lippe, sind Familienbetriebe kein auslaufendes Modell. Eine günstige Kostenstruktur mit hohem Eigenkapital und wertvolle Familienarbeitskräfte machen diese Betriebe zukünftsfähig. Eine sichere Kredittilgung mache diese Betriebe zu gern gesehenen Krediktnehmern. Das Ausfallrisiko für die Banken sei verschwindet gering. Auch die deutsche "Höfeordnung" sei ein deutlicher Wettbewerbsvorteil. Hofnachfolger steigen meist schuldenfrei in den Betrieb ein; im Gegensatz zu Dänemark. Kritisch sah Dr. Tölle die Konkurrenz zur Biogaserzeugung. Beide Betriebsformen konkurrieren um die Fläche, wobei der Biogaserzeuger aufgrund eines wettbewerbsverzerrenden EEG höhere Pachtpreise zahlen könne. Nach Nachsehen hätten die Veredlungsbetriebe. Hier müsse schnell eine Gesetzesanpassung her.
In seinem weiteren Vortrag warnte der Experte für Schweineproduktion davor, nur auf die biologische Leistung zu schielen. Das Gesetz des abnehmenden Ertragszuwachse gelte auch in der Schweinehaltung. Ein Betrieb mit überdurchschnittlich vielen abgesetzten Ferkeln oder Tageszunahmen über 850 Gramm muss nicht automatisch zu den ökonomisch besten Betrieben zählen. Mit zunehmendem Leistungsniveau werde der Zusammenhang zwischen Ökonomie und Biologie immer schwächer. Nur wer seine Kosten im Griff hat, gehört zu den Zukunftsbetrieben. Und dazu können nach Auswertungen der Erzeugerringe in Deutschland durchaus auch Betriebe mit vergleichsweise niedrigen biologischen Leistungen gehören.
Dr. Tölle warnte vor Wettbewerbsverzerrungen aufgrund ungleicher Tierschutz- und Umweltauflagen zu Lasten der deutschen Schweinehalter. In den letzten 15 Jahren seien fast 150.000 Betriebe aus der Produktion ausgestiegen - mit volkswirtschaftlich fatalen Folgen für den vor- und nachgelagerten Bereich, wenn man bedenkt, dass an jedem ldw. Arbeitsplatz acht weitere Arbeitsplätze hängen.
"Jede zusätzliche Auflage beschleunigt den Strukturwandel und zieht immer größere Wachstumsprünge nach sich", mahnte Tölle die Politik zu mehr Zurückhaltung.
Dr. Karl-Heinz Tölle: Bestimmungsfaktoren für die Entwicklung der Schweinefleischproduktion
Worauf müssen sich Schweinehalter in den nächsten Jahren einstellen?
 Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, erinnert die 150 Teilnehmern der Fachtagung daran, dass Schweinefleisch ein "modernes Lebensmittel" sei, das als solches auch beworben werden müsse. "Neben Nährwert brauchen wir den Mehrwert". Im Marketing müssen man sich auch am Grenznutzen orientieren. Dies gelte auch für Forderungen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit, die - vereinfacht - in einem C02-Fussabdruck kanalisiert würden. So unsinnig der aus fachlicher Sicht auch sei (siehe BMU-Gutachten), solle man den Wunsch akzeptieren und "Pioniergewinne" einstreichen. Es gelte "Premium-Produkte" anzubieten, wobei eine Qualitätsdiskussion auf dem europäische Markt anhand fachlich nachvollziehbarer Qualitätskriterien aufgrund des hohen Qualitätsniveaus nichts bringe. "Der Verbraucher nehme als Qualität nur das wahr, was ihn überrasche, womit er nicht rechne."
Werner Schwarz: Worauf müssen sich Schweinehalter in den nächsten Jahren einstellen?
Regionales Profil als Wachstumskonzept!?
 Rolf Michelberger, Geschäftsführer Ulmer Fleisch GmbH Rolf Michelberger, Geschäftsführer der Ulmer Fleisch GmbH, erläuterte die Strategie des Familienunternehmens Müller. An drei Standorten werden über 300.000 Rinder und mehr als eine Million Schweine jährlich geschlachtet. Aus der Region, für die Region. Wobei auch für die Müllergruppe der Export eine immer größere Bedeutung einnehme. Daher sei es wichtig, so der Fachmann, mit regionalens Zuchtunternehmen zusammenzuarbeiten. Nur so sei gewährleistet, auf neue Anforderungen züchterisch schnell reagieren zu können.
Müller bekennt sich zu süddeutschen Genetik mit einem Magerfleischanteil von 56 bis 58 Prozent und einem Schlachtgewicht von 94 bis 96 kg. Es gehe nicht nur um kurze und damit kostengünstige Wege sondern v.a. um die strategische Sicherung der Wertschöpfungskette Schweine.
Neben der Stärkung der Eigenmarke schaffe der definierte Rohstoff, verbunden mit der Bekenntnis zur Regionalität ein Alleinstellungsmerkmal für die Unternehmensgruppe.
Rolf Michelberger: Regionales Profil als Wachstumskonzept!?
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