Wissenschaftler hinterfragen amerikanische Fleischstudie kritisch
"Wer Fleisch isst, stirbt früher" - so rauschte es mächtig im Blätterwald. Eine Studie US-amerikanischer Gesundheitsbehörden schaffte es sogar bis in die Abendnachrichten des Fernsehens." Völlig zu Unrecht, wie der Lebensmittelchemiker
Udo Pollmer meint, denn die Datenerhebung sei mehr als fragwürdig. " Die Teilnehmer bekamen jeweils nach fünf Jahren einen 35-seitigen Fragebogen. Darin sollten sie genau angeben, was sie in den letzten zwölf Monaten so alles gegessen hatten. Kennen Sie noch Ihren Speiseplan vom 22. August 2008? Wissen Sie, was für Fleisch und vor allem wie viel in den Buletten oder den Krautwickeln in der Kantine wirklich drin war? Sind die Angaben der Teilnehmer überhaupt glaubhaft oder im Sinne des Selbstbildes geschönt? Diese Unbestimmtheit erlaubt es den Forschern, die Daten so zu korrigieren, bis sie passen"
Was nicht untersucht wurde, war die Frage, ob durch eine Umstellung der Ernährung die Krebsrate gesenkt werden konnte. Trotzdem ziehen die Wissenschaftler die Daten der Fragebogenauswertung heran, um Ernährungsempfehlungen auszusprechen.
Unterstützt wird Udo Pollmer von der Ökotrophologin Ulrike Gonder, die die aus der Beobachtungsstudie abgeleiteten Ernährungsempfehlungen absolut haltlos sieht. Insbesondere weil epidemiologische Studien keine statistische Aussage über Ursache-Wirkungs-Beziehungen erlauben. Wenn Menschen mit ungesunden Lebensgewohnheiten und einem hohen Konsum an “rotem” Fleisch und Wurstwaren mehr Darmkrebs bekommen, dann muss erforscht werden, ob es tatsächlich an Fleisch und Wurst liegt, wie das funktionieren soll, ob weniger Fleisch zu essen tatsächlich Vorteile bringt und wenn ja, für wen. Denn es ist gut möglich, dass es Gruppen in der Bevölkerung gibt, die aufgrund ihrer genetischen Ausstattung mit Enzymen von einem verringerten Fleisch- oder Wurstkonsum profitieren könnten. Doch deswegen sollte nicht allen Menschen Verzicht gepredigt werden.
In ihrer Auswertung “Krebsprophylaxe durch Ernährung” kam Frau Gonder bereits vor 10 Jahren zu dem Ergebnis, dass sich das Krebsrisiko eines Menschen nicht anhand seines Verzehrs an “rotem” Fleisch beurteilen lässt.
Deutschlandradio: Lieber rot als tot
Krebsschutz durch Ernährung
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