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20.05.2009

Eckpunkte für eine professionelle Betriebsentwicklung


Angesichts einer kontinuierlichen Expansion der nationalen Schweinefleischerzeugung hat sich Deutschland in den letzten Jahren zum Nettoexporteur entwickelt. Während Mast- und Schlachtkapazitäten ausgebaut werden, leidet die deutschen Ferkelerzeuger aufgrund der zunehmenden Ferkelimporte aus dem benachbarten Ausland und einer unbefriedigenden Gewinnsituation. Investitionswillige Sauenhalter suchen daher nach einer verbesserten Absicherung.

Ein Patentrezept oder eine Standardempfehlung gibt es nicht. Allerdings müssen künftige Investitionsmaßnahmen sorgsamer denn je geprüft und abgewogen werden, damit sie sich nicht zu einer Fehlentscheidung entwickeln. Nichts darf dem Zufall überlassen bleiben, wenn es um die langfristige Existenzsicherung geht.

Mit einer Fachtagung „Eckpunkte für eine professionelle Betriebsentwicklung“ am Mittwoch, den 13. Mai 2009 in Fichtenau-Neustädtlein, Baden-Württemberg, hat der Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion e.V. (ZDS) die wesentlichen Eckpunkte aufzeigen können, die bei künftigen Investitionen zu beachten sind, in der Ferkelerzeugung wie in der Schweinemast.


Marktanalyse: Welche Chancen und Risiken sind zu beachten?



Dr. Albert Hortmann-Scholten, Leiter des Marktreferates der Landwirtschaftskammer Niedersachen, informierte zu Beginn seines Vortrages, dass die Marktberichterstattung für Schlachtschweine, - rinder und Ferkel von der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) fortgeführt werde und somit keine Lücke nach der Liquidation der ZMP bestehe.

Bei seiner Darstellung der aktuellen Lage am Markt für Mastschweine und Ferkel zeigte er globale, europäische und nationale Entwicklungen in der Schweinehaltung auf. Aufgrund Bevölkerungs- sowie Einkommenentwicklung wird von einer Zunahme der Weltfleischproduktion bis 2017 um 20 Prozent ausgegangen. Davon könnte Deutschland profitieren, das jetzt schon in mehr als 100 Länder exportiere. Deutschland ist die Drehscheibe des europäischen Fleischhandels, was auf eine gute Infrastruktur, gut aufgestellte Schlachtunternehmen und eine soliden Finanzierung zurückgeführt wird. Allerdings sind derzeit die Folgen der Wirtschaftskrise auch in der Fleischbranche spürbar. Der Konsum verlagere sich auf preisgünstige Fleischteile; die Erlöse schrumpfen.

Allerdings glaubt der Marktexperte, dass die deutsche Zucht mit den bisherigen Genetiken gut für den Export aufgestellt ist. Bsiher konnten noch alle Marktsegmente erfolgreich bedient werden. Die Landwirte müssen sich aber auf höhere Hygieneanforderungen einstellen. Eine bestmögliche Gesundheits- und Seuchenvorsorge, durchgängige QS-Systeme mit Rückstandsmonotoring gewinnen international an Bedeutung. Um weitere Märkte zu erschließen, lobte Hortmann-Scholten die Unterstützung des Bundeslandwirtschaftsministeriums hinsichtlich der erfolgreicher Veterinärverhandlungen und forderte gleichzeitig intensivere Marketingaktivitäten in Drittländern.

Dr. Hortmann-Scholten skizzierte die Marktsituation beispielhaft in Dänemark, Polen und Rumänien und machte an Kennzahlen, wie Lohnniveau, Kosten der wichtigsten Produktionsfaktoren wie Futter und Energie deutlich, warum Deutschland einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern aufweißt.


Das bleibe aber nicht so. Aufgrund der langjährigen Erlösentwicklungen geht der Marktexperte sogar von weiter sinkenden Preisen aus, die sich mit stärkeren Exportaktivitäten auf Weltmarktniveau einpendeln könnten. Der Referent wagte einen Ausblick auf mögliche zukünftige Strukturentwicklungen und provozierte mit der Aussage "kleine Sauenstelle sind zu teuer", eine heftige Diskussion unter den Teilnehmern.

Investitionspotential zur Verbesserung der Arbeitseffizienz (Peter Spandau, Landwirtschaftskammer NRW)

Dr. Albert Hortmann-Scholten, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Dr. Albert Hortmann-Scholten, Landwirtschaftskammer Niedersachsen




Strukturelle Rahmenbedingungen: was ist zu berücksichtigen?



Hansjörg Schrade, Leiter des Bildungs- und Wissenszentrums in Boxberg, Baden-Württemberg, zeigte eindrucksvoll die betrieblichen Entwicklungsmöglichkeiten anhand gesetzlicher Rahmenbedingungen auf. Dass Betriebe wachsen müssen, ist auch für Schrade klar. Dies demonstrierte er an Hand der Kostenstruktur unterschiedlich großer Betriebe mit Hilfe von Auswertungen des Beratungsdienstes Baden-Württemberg. Allerdings konnte der langjährige Tierzuchtreferent des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums auch zeigen, dass einer Steigerung der Bestandsgrößen bei Berücksichtigung von Bewertungsgesetz, Düngeverordnung und Bundesimmissionsschutzgesetz rel. enge Grenzen gesetzt sind. Schrade bewertete während seines Vortrags verschiedener Alternativen betrieblichen Wachstums und traf damit den Nerv der Betriebsleiter, die sich mit Erweiterungsplänen tragen.

Auch die Rechenbeispiele, ab wann sich der Einsatz überbetrieblicher Arbeitskräfte rechnet, fanden bei investitionswilligen Betriebsleitern großes Interesse. Der Experte aus Baden-Württemberg gab zu bedenken, dass Investitionspläne erst dann Sinn machen, wenn der Betrieb "rund laufe", d.h. das Betriebsmanagement optimiert wurde. Leistungsorientierten und kostenbewussten Ferkelerzeugern empfahl Schrade, den Schritt in die Spezialisierung, während er für Ferkelerzeuger mit durchschnittlichen Leistungen eine Zukunft in geschlossenen Systemen sieht.


Hansjörg Schrade: Strukturelle Rahmenbedingungen: was ist zu berücksichtigen?

Hans-Jörg Schrade, Leiter des Bildungs- und Wissenszentrums Boxberg

Hans-Jörg Schrade, Leiter des Bildungs- und Wissenszentrums Boxberg




Welcher Spielraum bleibt für individuelle Lösungen?



Mit Michael Götz konnte ein junger Betriebsleiter gewonnen werden, der seinen Betriebskollegen im Saal demonstierte, wie und warum die Entwicklung seines Betriebes von 50 Sauen im Jahr 1978 bis derzeit 500 gehaltenen Sauen verlaufen ist. Die Nachfrage nach großen Ferkelpartien auch aus Süddeutschland spielte dabei eine große Rolle. Der Betriebsleiter eines Familienbetriebes machte deutlich, dass biologische Leistungen zwar wichtig, aber die letzten Ferkel nicht durch Nachteile bei Ferkelvitalität, Auseinanderwachsen der Würfe und höhere Ferkel- und Sauenverluste erkauft werden dürfen. Daher setzt der Unternehmer nur robuste, langlebige und damit wirtschaftliche Sauen ein. Außerdem wurden bei der Auswahl der Genetik spezielle Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels berücksichtigt worden.

Die Motivation der Mitarbeiter sowie eine ständige Kosten- und Ertragsoptimierung stellte Götz als wichtige Faktoren seines Betriebserfolges heraus. Neben einer großzügigen Urlaubsregelung, dem Abbau von Arbeitsspitzen und der Anschaffung individueller Schutzausrüstungen (Atemmasken) wurden maschinenintensive Tätigkeiten, wie z.B. die Gülleausbringung, an auswertige Dienstleister vergeben. Damit konnten die Kosten für die Eigenmechanisierung gesenkt werden. Weitere Kosteneinsparungen waren durch verstärkte Anwendung homöopathischer Mittel möglich.

Als wichtigsten Erfolgsfaktor ging Götz auf das betriebliche Hygienemanagement ein. Er zeigte an verschiedenen Arbeitsabläufen die strikte Einhaltung des Schwarz-Weiß-Prinzipes, was auch eine Überschneidung von Arbeitswegen beinhaltet. Dazu gehören neben spezieller Arbeitskleidung für die einzelnen Funktionsbereiche auch die Bewirtschaftung nach dem Rein-Raus-Verfahren, die Zusammenfassung von Futterlieferungen und eine bodennahe Gülleausbringung.

Das Futter wird regelmäßig betriebsintern nachkontrolliert, wobei z.B. betriebsindividuelle Grenzwerte für Mykotoxine, die noch niedriger als die gesetzlichen Anforderungen liegen, eingehalten werden müssen.

Um Preise abzusichern und langfristig planen zu können, werden Sojakontrakte und Getreidechargen über die Warenterminbörse gekauft.

Der Betrieb nimmt an QS und dem Gutfleischprogramm von EDEKA-Süd teil.


Michael Götz: Welcher Spielraum bleibt für individuelle Lösungen?

Michael Götz, Betriebsleiter

Michael Götz, Betriebsleiter



Die Finanzierung: was verlangen und bieten die Banken?


Andreas Ihorst, bei der Oldenburgischen Landesbank zuständig für die Kundenbetreuung in den Bereichen "Schweine, Geflügel und Sonderkulturen", machte den Teilnehmern der Fachtagung klar, welche Daten eine Bank vor Vergabe von Krediten für Investitionsplanungen benötigt. Neben einer menschlichen Beurteilung spielen Betriebszweigauswertungen die wichtigste Rolle. Der Fachmann für Kreditvergabe gab den Teilnehmern Tipps für die Gesprächvorbereitung mit der Hausbank. So muss glaubhaft belegt werden können, dass der Betrieb nicht nur das Mangement im Griff hat, er muss auch ein Controllingsystem installieren, um negative Einflüsse früh erkennen und effektiv reagiern zu können.

Als wichtigste Faktoren für die Betriebsplanung nannte der Referent
  • die Kalkulation der einzelnen Betriebszweige,
  • Rentabilitäts- und Investitionsrechnungen,
  • Liquiditäts- und Finanzierungsrechnungen,
  • eine realistische Arbeitsbedarfsplanung.
  • die Berücksichtigung rechtlicher, steuerlicher Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten sowie
  • eine Risikoanalyse für den „worst case“
Als häufigste Fehler nannte Ihorst
  • eine falsche Einschätzung der Investitionskosten,
  • die Nichtberücksichtigung des Investitionsbedarfes der folgenden 5 Jahre,
  • eine Überschätzung der baren Eigenmittel und Eigenleistung
  • eine zu kurze Kreditlaufzeit (keine Rücksicht auf betriebliche Gegebenheiten),
  • eine fehlende Liquiditätsplanung und Finanzkontrolle sowie
  • das Risiko, keine Obergrenze beim Fremdkapital festzulegen.
Am liebsten sind Banken Betriebsleiter, mit
  • gutem Management
  • klarem Betriebskonzept
  • einem Investitionskonzept
  • Liquiditätsplanung vor jeder Investition
  • zeitnahen Buchführungsunterlagen
  • Betriebszweigauswertungen.
Zusätzlich sollten Betriebsleiter offen und kommunikativ sein.



Andreas Ihorst: Die Finanzierung - was verlangen und bieten die Banken?

Andreas Ihorst, Oldenburgische Landesbank

Andreas Ihorst, Oldenburgische Landesbank




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