Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion e.V.

2010-09-10
http://www.zds-bonn.de/


01.10.2009

Einkaufs- und Konsumverhalten entscheidend für Ökobilanz der Lebensmittel

Regionale Lebensmittel stehen bei Verbrauchern hoch im Kurs. Sie werden häufig als ökologisch und sozial verträglicher eingeschätzt als vergleichbare Lebensmittel aus überregionaler oder internationaler Produktion. Doch diese Annahme ist nicht immer richtig. Denn neben dem Ort der Erzeugung entscheiden eine ganze Reihe anderer Faktoren bei der Frage, wie empfehlenswert ein Lebensmittel aus Klimaschutz-Sicht tatsächlich ist. Sowohl die Produktionsbedingungen, die Verarbeitung, Verpackung und der Vertrieb des Lebensmittels spielen eine Rolle, als auch die Jahreszeit oder das Verhalten der Verbraucher.

Verglichen wurden regionale Lebensmittel mit Produkten aus überregionaler und internationaler Produktion und Vertrieb. Am Beispiel von sechs Nahrungsmitteln (Apfel, Kopfsalat, Rindfleisch, Bier, Brot und Milch) wurde berechnet, wie hoch der Energieverbrauch und die Klimagasemissionen über den vollständigen Lebenszyklus sind – also von der Produktion über die Verpackung und den Vertrieb bis in den Einkaufswagen der Verbraucher.

Die Ergebnisse zeigen, dass regionale Lebensmittel nicht deswegen ökologisch besser abschneiden, weil sie regional angebaut werden. So zeigt Kopfsalat im Winter aus Spanien eine bessere Klimagas- und Energiebilanz als ein regional im beheizten Gewächshaus produzierter Kopfsalat. Die wichtigste Einflussgröße ist in jedem Fall jedoch der Verbraucher selbst. Sein Einkaufs- und Konsumverhalten entscheiden maßgeblich über den ökologischen Rucksack der Lebensmittel: Fährt er ausschließlich zum Kauf des Lebensmittels mit dem Auto zum Handel, spielt die eigentliche Produktion des Lebensmittels nur noch eine untergeordnete Rolle. Damit macht er letztlich alle Vorteile einer ökologisch sinnvollen Erzeugung wieder zunichte.

Beim Rindfleisch sind die Ergebnisse so komplex, dass keine klaren Kaufempfehlungen an den Verbraucher ausgesprochen werden können. Die Klimabilanz hängt von vielen einzelnen Randbedingungen ab wie beispielsweise der Haltungsform oder Fütterung der Tiere.
Ohne weitere Informationen über die konkreten Produktionsbedingungen des Rindfleischs hat der Verbraucher heute leider noch keine Möglichkeit, die Umweltqualität des angebotenen Rindfleischs einschätzen zu können. Hier könnte ein Produktlabel hilfreich sein.  

Milch aus regionaler Produktion ist unter Klima- und Energieaspekten günstiger als überregional produzierte Milch. Dabei schneidet die per Lieferservice angelieferte, so genannte Vorzugsmilch, die nur filtriert und verpackt wird, am günstigsten ab. Aber auch die Verpackung ist für das Ergebnis von Bedeutung: Der Polyethylen-Schlauch ist günstiger als der Getränkekarton, er verschwindet allerdings zunehmend vom Markt, da die Nachfrage stark rückläufig ist. 

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass regional erzeugte Lebensmittel tendenziell ökologische Vorteile aufweisen. Bei Obst und Gemüse gilt dies insbesondere für saisonal produzierte Ware. Allerdings lassen sich die Ergebnisse nicht pauschalisieren. Insgesamt hat der Verbraucher über sein Einkaufs- und Konsumverhalten den größten Einfluss auf den Energiebedarf und die Klimagasemissionen der Lebensmittel. So kann er insbesondere bei einem Einkauf zu Fuß bzw. mit dem Fahrrad oder ohne Extrafahrten mit dem Auto Klimagase vermeiden. Kauft er dann noch regionale Lebensmittel aus saisonaler Produktion, ist er in der Regel in Bezug auf die Ressourcenschonung und Klimaschutz auf der sicheren Seite.

Studie “Ökologische Optimierung regional erzeugter Lebensmittel: Energie- und Klimagasbilanzen” (60 S., 680 kB):
http://www.ifeu.de/landwirtschaft/pdf/Langfassung_Lebensmittel_IFEU_2009.pdf
Kurzfassung (2 S., 58 kB): http://www.ifeu.de/landwirtschaft/pdf/Kurzfassung_Lebensmittel_IFEU_2009.pdf

Weitere Publikation: IFEU-Studie zur Ökobilanz Brot (4 S., 41 kB):
http://www.ifeu.de/landwirtschaft/pdf/IFEU_oekobilanz_brot.pdf


Kontakt

Dr. Guido Reinhardt
Scientific director
IFEU – Institute for Energy and Environmental Research Heidelberg
Wilckensstrasse 3, D-69120 Heidelberg, Germany
+49-6221-4767-0, -31 direct, -19 fax
guido.reinhardt@ifeu.de,

http://www.ifeu.de



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