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24.02.2010

Auswirkungen und Bekämpfungsmaßnahmen von Zoonosen

R+V Agrar-KompetenzzentrumDie R+V / VTV hatte am 23.02. zu einer Fachtagung zum Thema "Zoonosen: Prävention, Auswirkungen und Bekämpfungsmaßnahmen" nach Wiesbaden eingeladen, die mit rd. 150 Teilnehmern gut besucht war. Die hochrangigen Referenten gaben einen Überblick zum Stand der Forschung und dem Gefährdungspotential für Landwirtschaft und Verbraucher. Im Falle eines Seuchenfalls wurden die staatlichen Maßnahmen vorgestellt und an Beispielen konnten die existenzbedrohenden ökonomischen Auswirkungen für die Landwirtschaft aufgezeigt werden, die sich über sog. Ertragsschadenversicherungen minimieren lassen. Ein anderer positiver Effekt solcher Versicherungen für Kreditwürdigkeit und Ranking eines Betriebes wurden anhand aktueller Studienergebnisse vorgestellt.

Prof. Thomas Blaha machte zu Beginn seines Vortrages deutlich, dass alle heute bekannten Infektionskrankheiten einmal Zoonosen waren. Das sei evolutionsbiologisch betrachtet auch durchaus verständlich, weil die Unterschiede zwischen den Säugetieren auf dieser Erde so groß nicht seien. Diese biologische Nähe begünstigt die Spezies übergreifende Krankheitsübertragung.
Und mit noch einem Vorurteile räumte der Wissenschaftler auf: Zoonosen sind nicht auf dem Vormarsch. Es gab sie schon immer. Dank der Fortschritte lassen sich diese Krankheiten nur besser benennen und bekämpfen.
Der Seuchenexperte wehrte sich auch gegen den bei bestimmten Verbrauchern verbreiteten Vorwurf, dass die Intensivtierhaltung besonders anfällig gegen Krankheiten oder sogar Quelle gefährlicher Krankheiten sei. Das Gegenteil sei der Fall, weil gerade solche Betriebe häufig sehr professionell geführt werden. Tiergesundheit habe im Übrigen nichts mit Groß und Klein zu tun. Entscheidend sei die  Professionalität als wichtigster Faktor für die Gesunderhaltung eines Bestandes oder die erfolgreiche Behandlung einer Tierkrankheit. Sie mache 90 Prozent, die Haltungsform nur 10 Prozent aus.
Prof. Blaha erinnert daran, dass jedes zweite Schwein, dass in der Welt erzeugt werde, aus China stamme. Meist aus sog. Hinterhofhaltungen mit vielen Tieren und Familienanschluss. Die Übertragung von Tierkrankheiten sei bei diesen Haltungsbedingungen - auch über Artgrenzen hinweg - Tür und Tor geöffnet.

Dr. Ursula Gerdes und Dr. Uta Flebbe stellten die staatliche Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen im Allgemeinen und am Beispiel der niedrig pathogenen Geflügelgrippe an Hand eines aktuellen Seuchengeschehens vor. Die finanziellen Auswirkungen für das Land Niedersachsen, die von den Landwirten finanzierte Tierseuchenkasse und den Landwirt selber war gigantisch. Allein von 11.12.2008 bis 12.02.2009 mussten 616.590 Puten, 1.314 Legehennen, 740 Enten, 294 Gänse und 22 Ziergeflügel vorsorglich getötet werden. 47 Halter wurden mit rd. 9 Mio. Euro entschädigt (gemeiner Tierwert). Die Tötungskosten betrugen rd. 5,3 Mio Euro und die Kosten für die Tierkörperbeseitigung rd. 0,7 Mio Euro. Gemeinsam mit den Beihilfen für die Reinigung und Desinfektion lag der Schaden also bei 14,2 Mio Euro.

Dr. Günter Grandjot zeigte an Hand verschiedener Beispiele die einzelbetrieblichen Auswirkungen einer Zoonose. Er konnte eindrucksvoll mit Zahlen nachweisen, dass die Entschädigungszahlungen der Tierseuchenkasse einer behördlich angeordneten Keulung bei Weitem nicht ausreichen. Im Falle eines zoonosebedingten Leistungseinbruchs zahle die Tierseuchenkasse gar nicht.

Prof. Dr. Markus Petry stellte aktuelle Untersuchungen aus einer Studie zu den Auswirkungen einer Ertragsschadenversicherung auf die Kreditwürdigkeit eines Betriebe und seine Bonitätsbeurteilung durch Banken vor. Dabei wurden rd. 400 Betriebe untersucht.

Eine Ertragsschadenversicherung reduziert die Ausfallwahrscheinlichkeit des Bankkunden (des Landwirtes) und wirkte sich positiv auf die Bonitätsbeurteilung dar, obwohl das Ratingsystem diesen positiven Effekt bisher noch gar nicht abbildet.




Vereinigte Tierversicherung Gesellschaft a.G.

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