22.09.2011RSS Feed

Tierschutz: das Einzeltier ist wichtig, nicht die Bestandsgröße

Der Begriff Massentierhaltung ist in aller Munde. Auf Nachfrage wird schnell deutlich, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Einig scheint man sich nur darin zu sein, dass Massentierhaltung offensichtlich als Inbegriff für Tierrechtsverstöße steht. Dabei zeigt die Praxis, dass Masse mit Tierschutz durchaus vereinbar ist und sich selbst im Biobereich Größenordnungen finden, die früher undenkbar waren.

Die Besucher des DBV-Veredlungstages in Dorsten staunten nicht schlecht, als von 25.000 Puten- und 350.000  Masthähnchenplätzen die Rede war. Und selbst ein Vertreter der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen musste eingestehen, dass für die Bewertung einer Tierhaltung nicht die Bestandsgröße, sondern das Wohlergehen des Einzeltieres entscheidend sei. Von Massentierhaltung wolle man daher künftig auch nicht mehr sprechen.

Der Vertreter der Verbraucherorganisation befindet sich damit in guter Gesellschaft. Schließlich haben Renate Künast während ihrer Zeit als Landwirtschaftsministerin und Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzverbandes diese Zusammenhänge längst erkannt.
Minister Remmel gar orientiert sich bei seinen Förderangeboten für die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft an Tierobergrenzen gemäß Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchV). Danach können z.B. Ställe bis zu 15.000 Hennen, 600 Rinder oder 1.500 Mastschweinen die Förderung erhalten. Das ist mehr, als die sog. Massentierhaltungs-VO aus dem Jahr 1975 vorsah. Diese VO wurde übrigens durch die Schweinehaltungshygiene-Verordnung abgelöst und ist vermutlich der Namensgeber für den negativ gebrauchten Begriff Massentierhaltung.



Auch der ökologische Landbau setzt sich z.B. in der Zeitschrift Ökologie  & Landbau (Ausgabe 1/2010, S. 12 - 34) mit den ökonomischen Anforderungen und deren Folge für die Betriebsgröße auseinander. Dort heißt es in dem Beitrag Wird bio konventionell?

Zitate1):
Viele Konsumenten erwarten immer noch, dass Bioprodukte von idealtypischen regionalen Kleinbauern stammen. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus. Und das sei auch gut so: Die Vergrößerung der Betriebe ist aus ökonomischer Sicht grundsätzlich vorteilhaft. Denn das führe zu einer besseren Auslastung der Produktionsfaktoren, sie erlaube den Einsatz größerer und modernerer Maschinen und Verfahren.

Ein schönes Beispiel für ökonomische Zusammenhänge liefert ein australischer Biohof. Er verfügt über 6,5 Millionen Hektar Fläche und ist damit 1,6-mal so groß wie die Schweiz. Als Bioproduzenten arbeiten dort 300.000 Rinder. Die Bio-Kontrollen werden per Flugzeug und Helikopter durchgeführt.


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