11.02.2016RSS Feed

Strukturwandel geht ungebremst weiter

In der Schweinhaltung findet seit Jahren ein verschärfter Strukturwandel statt. Die Schweinehalter werden immer weniger und die Tiere pro Betrieb immer mehr. Hintergrund sind steigende Kosten durch neue politische Rahmenbedingungen bei sinkenden Erlösen. Diese zwingen die Schweinehalter, steigende Kosten durch mehr Tiere aufzufangen. Lt. Viehzählungserhebung des statistischen Bundesamtes wurden im November 2015 rd. 1.089 Schweine je Halter gezählt. Betriebe mit weniger als 50 Mastschweinen und weniger als 10 Zuchtsauen fließen in diese Erfassung schon seit 2010 nicht mehr mit ein. Damit wollte man die kleinen Betriebe entlasten und sorgt beim unbedarften Journalisten immer wieder für Irritationen. Schließlich sind derartige Zahlen im Jahresverlauf interessant, um Entwicklungen aufzeigen zu können. 
Wer aber Ergebnisse vor 2010 mit heute vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen, weil damals eben diese kleinen Betriebe bei der Viehzählung noch mitberücksichtigt wurden.
Und somit hinkt auch ein Vergleich der Betriebszahlen. Während 1998 mehr als 180.000 Betriebe mit Schweinen lt. Viehzählung angegeben werden, sind es heute nur noch rd. 50.000 Betriebe und nicht 26.000 Betriebe lt. Viehzählung. Auskunft gibt die offizielle Landwirtschaftszählung, die zuletzt 2013 durchgeführt, aber noch nicht veröffentlicht wurde. So kann man die Betriebszahlen nur schätzen. 2010 waren es noch rd. 60.000 schweinehaltende Betriebe.

Diese Meldung , die eigentlich nur zur Erklärung derzeit veröffentlichter Zahlen dient, wird Kritik auslösen. Insbesondere, weil viele Kritiker einen direkten Zusammenhang von Bestandsgröße und Erlös vermuten, das Dilemma am Markt durch Überproduktion also selber verursacht wird. Das ist nur begrenzt richtig, schließlich leben wir nicht auf einer Insel, sondern in einem europäischen Markt mit Ländern, die gemessen am Selbstversorgungsgrad mehr produzieren, als sie verbrauchen. Dazu gehören z.B. Dänemark mit fast 650 Prozent oder Irland mit 450 Prozent Selbstversorgungsgrad. Auch die Niederlande, Belgien und Spanien produzieren mehr, als sie verbrauchen. Deutschland liegt mit einem Selbstversorgungsgrad von rd. 120 Prozent eher im unteren Drittel und spiegelt das aktuelle europäische Niveau wider. Um also nachhaltig höhere Preise zu erzielen, müsste die erzeugte Menge in ganz Europa sinken und selbst das wäre keine Garantie für eine Markterholung, wenn sich der Lebensmitteleinzelhandel aus Drittländern eindeckt.

Der Milchviehhalter Henning Haschenburger rechnet in seinem Facebookaccount vor, was eine Milchmengenbegrenzung für seinen Betrieb bedeutet. Die Rechnung ist übertragbar auf einen Schweine haltenden Betrieb.



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