26.11.2014RSS Feed

Journalisten-Schelte durch die TAZ

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus? Von wegen. Es gibt ihn noch, den investigativen Qualitätsjournalismus. Der TAZ-Redakteur Jost Maurin kritisiert eine Recherche des gemeinnützigen Journalistenteams Correctiv, der u.a. von der Die Zeit genutzt wurde und bei Landwirten und Fachjournalisten für Empörung gesorgt hat.


Informationen, die Fachleute in der Recherche vermissen:

  1. Der Einsatz von Antibiotikahaltigen Leistungsförderern ist in Europa seit Januar 2006 verboten 1), ebenso ein prophylaktischer Einsatz von AB.
  2. Resistenzen gibt es seit mehr als 30.000 Jahre 2); sie bilden sich auch natürlich 3). Ein unsachgemäßer Einsatz dieser wichtigen Medikamentenklasse selektiert Resistenzen verstärkt - in der Human- ebenso wie in der Veterinärmedizin und unabhängig von der Landbauform.
  3. In der Veterinärmedizin ist die Medikamentegabe im Detail geregelt; je Behandlung sind 11 Dokumentationen erforderlich 4). QS erfasst die Antibiotikamengen seit 2012 zentral über die QS-Antibiotikadatenbank und erfasst 90 % aller Schweinehalter  5), 6)
  4. Auch in der Humanmedizin beginnt man, über Leitlinien zum sachgerechten Antibiotikaeinsatz zu diskutieren 7)
  5. In der Veterinärmedizin sinkt der AB-Einsatz 8), in der Humanmedizin dagegen steigt er 9).
    Unabhängig davon ist eine Mengendiskussion kontraproduktiv, wenn es um die Reduzierung von Resistenzen geht 10). Ziel ist die Etablierung einer guten fachlichen Praxis bei der Verwendung dieser wichtigen Arzneimittel ebenso, wie die Reduktion eines unkritischen AB-Einsatzes: 11) - in der Human- wie Veterinärmedizin.
  6. Zu dem Thema liegt ein Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Dott vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin des Uniklinikums in Aachen vor 12)
  7. Ein Infektionsrisiko soll sich durch funktionierende Monitoringsysteme, wie in den Niederlanden und der Uniklinik Münster, reduzieren lassen 13)
  8. Die Behauptung, dass gerade in Vieh dichte Regionen die wenigsten MRSA-Fälle auftreten, ist umstritten 14); 15). Auch dieser Erklärungsansatz 16) bedarf weiterer Untersuchung.
  9. Zu kurz kommt in dem Artikel eine Risikoeinschätzung von Kläranlagen, Kliniken und der Entsorgung von Medikamentenresten durch die Kanalisation:
    - Risiko Heimtiere
    - Risiko Kläranlagen
    - Risiko Klinikabwasser

Es findet eine Polarisierung mit einseitigen Schuldzuweisungen statt. Das muss abgelehnt werden. Dafür ist das Problem zu ernst! 17); 18). Die Standesvertreter der Veterinär- und Humanmediziner haben das bereits erkannt 19).


top