04.05.2015RSS Feed

Gefährden unsere Ernährungsgewohnheiten das Klima?

Mit immer neuen Studien soll belegt werden, dass ein steigender Fleischkonsum weltweit zu viel Ressourcen verschwendet und ein wachsender Flächenbedarf v.a. für Tierfutter Waldgebiete und Ackerland gefährde. Daraus wird eine Ernährungsumstellung zur Reduktion des Virtuellen Flächenverbrauchs abgeleitet und eine Ausweitung des Ökologischen Landbaus. Ein Widerspruch in sich.


Bei der Einordnung der Vorwürfe an den europäischen Ernährungsstil, können folgende Informationen helfen:

  1. Die Weltnachfrage nach tierischen Produkten wird lt. FAO-Prognose weltweit stark zunehmen – unabhängig davon, wie viel tierische Produkte (Fleisch) in Deutschland verzehrt werden.

  2. In Deutschland werden die Tiere überwiegend mit heimischen Futterpflanzen ernährt. Der Import von Sojaextraktionsschrot, einem Nebenprodukt der Sojaölgewinnung, sinkt. Er liegt derzeit prozentual bei 0,8 Prozent der Weltsojaernte.

  3. Ein Fleischverzicht in Deutschland führt nicht zu weniger Hunger in Entwicklungs- und Schwellenländern. Im Gegenteil. Die frei werdende Fläche ist oft noch nicht einmal für den Gemüseanbau geeignet. In Deutschland ist in den letzten Jahren der Fleischverzehr um rd. 1,3 % gesunken; gleichzeitig stieg der Import von Pflanzen für die pflanzliche Ernährung um rd. 25 %.

  4. Die Annahme, dass die nutzbare Ackerfläche sinkt, stimmt nach FAO-Prognosen so nicht. Danach werden aktuell rd. 11 Prozent der Bodenfläche weltweit für Ackerbau genutzt. Das sind rd. 1,5 Mrd. Hektar. Lt. FAO schlummern noch Reserven in Höhe von 2,8 Mrd. Hektar.

  5. In Deutschland tragen Rinder gerade 1,82 Prozent zu den Treibhausgas-Gesamtemissionen Deutschlands oder 0,04 % der weltweiten Emissionen bei.

  6. Im- und Exporte von Lebensmitteln sind Zeichen einer arbeitsteiligen Wirtschaft und bedeuten i.d.R. steigende volkswirtschaftliche Wertschöpfung - für Export- und Importländer. Freier Welthandel mit Agrarprodukten kann nicht nur effizienter als nationale Abschottung sein, sondern sozial und ökologisch durchaus sinnvoll.
    Durch globalen Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen konnte allein im Jahr 2005 die für die Welternährung nötige globale Ackerfläche um etwa 82 Mio. ha verringert werden .

  7. Eine Umstellung europäischer Ernährungsgewohnheiten, z.B. eine Zunahme des Obst- und Gemüseverzehrs, entlastet das Klima kaum.

  8. Länder mit guter Wasserausstattung und guter Wasseraufbereitung müssen mehr Nahrungsmittel exportieren, um Importländer mit schlechterer Ausstattung zu entlasten. Während die Landwirtschaft in vielen anderen Ländern zu den größten Wasserverbrauchern gehört, benötigen deutsche Betriebe nur knapp ein Prozent des Gesamtwasserverbrauchs.

  9. In der Studie wird ein Ausbau des ökologischen Landbaus als Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft gefordert. Die FAO erwartet dagegen die meisten C02-Einsparungen von intensiven Systemen und Forscher der Universitäten Oxford und Cambridge behaupten, dass der Biolandbau nicht automatisch zu einer besseren Energie- und Klimabilanz und zu einer größeren Artenvielfalt führe.

  10. Die Forderung, verstärkt regionale Produkte zu verzehren, um aufgrund kürzerer Transportwege Emissionen einzusparen, widerspricht Untersuchungen des Instituts für Haushaltstechnik der Justus-Liebig-Universität Giessen. Die Auslastung der Produktions- und Transportmittel sei entscheidend für den Energieverbrauch und deren Effizienz ist unmittelbar mit der Betriebsgröße verknüpft. So kann Lammfleisch aus Australien u.U. eine wesentlich günstigere C02-Bilanz aufweisen, als ein Produkt aus heimischer Erzeugung.

  11. Die Empfehlung, verstärkt Bioware einzukaufen, widerspricht einem zunehmenden Bioimportbedarf.

Was man festhalten kann: Die Nachfrage nach Schweinefleisch wird in den nächsten Jahren weltweit stark steigen. Das erfordert eine Ressourcen schonende Erzeugung unter Ökoeffizienzkriterien (WELTWEIT!). Welche Einsparungen möglich sind, zeigt die deutsche Landwirtschaft.

Weitere Innovationen und Produktivitätssteigerungen sind nötig, um dem wachsenden Nahrungsmittelbedarf begegnen zu können. Statt Verzicht zu predigen, brauchen wir eine zweite Grüne Revolution durch Ausbau der Agrarforschung und mehr Exporte von veredlungsintensiven Agrarprodukten zur Entlastung der Importländer beim Wasser- und Futtermittelbedarf.


Enough: nachhaltige Schweinefleischerzeugung

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