28.01.2016RSS Feed

Diskussion um Label schwächt die deutsche Landwirtschaft?

Die Erlöse am Schweinemarkt sind seit Monaten katastrophal. Bäuerliche Existenzen und Arbeitsplätze werden vernichtet, weil Kredite nicht bedient werden können und Neuinvestitionen nicht möglich sind.
Besonders vor diesem Hintergrund erstaunen manche Lösungsansätze von Wissenschaft und Politik, mit denen der Krise zu begegnen sei. Es wird über Tierwohllabel und Bestandsobergrenzen diskutiert, um eine bessere Produktdiversifizierung bei gleichzeitig weniger Angebot zu erreichen.

Die Journalistin Marion Meyer-Radtke nimmt die aktuelle Diskussion als Schachern um Tierwohllabel wahr. Im Beitrag Deutschland steckt in einem Bio-Dilemma  hinterfragt sie die geforderte Preisdifferenzierung, die irgendwo zwischen bio und konventionell angesiedelt werden sollte. Dabei stützt sie sich auf ein Gutachten aus Göttingen, dessen Aussagen sich im Markt weder in der Vergangenheit noch aktuell widerspiegeln. Bereits heute gibt es eine Fülle an nachprüfbaren Gütesiegeln - es fehlt jedoch die Nachfrage. Ethologen reden vom Moral-Paradoxon: Mehr Tierschutz, aber nicht dafür bezahlen wollen.

Wieso fragt eigentlich niemand, was wer unter Tierschutz und Tierwohl versteht. Sowohl die Landwirte als auch die staatlichen und privatwirtschaftlichen Kontrolleinrichtungen haben sich bisher an den strengen gesetzlichen Vorgaben für den Tierschutz orientiert und sind irritiert, wenn jetzt zusätzliche Forderungen nach Tierwohl erhoben werden.

Unterschiedlichste Interpretationen dieses Begriffes und die Frage nach der Messbarkeit von Tierwohl sorgen für zusätzliche Verwirrung. Ist Tierwohl ein höheres Maß an Gesundheit, ein geringerer Arzneimittelbedarf, ein höheres Platzangebot, eine Jungebermast (statt Kastration), oder, oder? Die aktuell kritische Betrachtung der Bio-Schweinehaltung verdeutlicht, dass es mit einem Schwarz-/Weiß-Bild nicht getan ist.

Wenig hilfreich erscheint die Forderung einzelner Bundesländer nach einer Kennzeichnung des Fleisches mit der Herkunft aus speziellen Haltungssystemen. Abgesehen von der Vielzahl bereits vorhandener Label käme es einem Armutszeugnis des Staates gleich, die gesetzlichen Tierschutz-Mindestanforderungen - mit international überdurchschnittlichem Standard - als drittrangig zu bewerten, während andere Systeme, die mit u.U. stärker mit gesundheitlichen und hygienischen Risiken belastet sind (Bio- und Auslaufhaltung), durch vorrangige Platzierung hervorgehoben werden?(sk)

EU: Haltungskennzeichnung für Fleisch aktuell kein Thema

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