20.01.2016RSS Feed

Bremen: wer Hunger hat, hat ein Problem. Wer satt ist, hat viele

Das Agrarpolitische Bündnis Bremen (ABB) hat einen Antrag zur Diskussion gestellt, wonach öffentliche Einrichtungen nur noch Fleisch aus nachweislich artgerechter Tierhaltung einkaufen sollen. Wie einem Bericht des Journalisten Ralf Michel zu entnehmen ist, scheint für einige Vertreter des ABB auch klar, dass dies nur Produkte aus ökologischer Tierhaltung sein können. Dazu bedürfe es noch nicht einmal eines wissenschaftlich-theoretischen Diskurs(es), sondern einfach nur den gesunden Menschenverstand, soll sich die Abgeordnete der Grünen nicht ganz koalitionskonform geäußert haben.

Derartige Aussagen lassen Experten, die seit Jahren nach objektiven Kriterien für Tierwohl suchen, verzweifeln. Denn tatsächlich ist eine Aussage darüber, was tiergerecht ist und was nicht, gar nicht so einfach, wie die Abgeordnete zu glauben meint. Zumindest liegt die Festlegung nicht im Ermessen des Betrachters - und das ist gut so. Immerhin weiß man mittlerweile, dass weder die Bestandsgröße noch die Landbauform entscheidend sind. Wohl aber das Betriebsmanagment.

Tatsächlich setzt sich auch in der Bremer Bürgerschaft soviel Sachverstand durch, den Antrag zunächst in die Fachgremien zu verweisen, um weniger emotional offene Fragen zu beantowrten. So ist z.B. die Forderung nach einer artgerechten Tierhaltung nicht erfüllbar. Dies ist ein Widerspruch in sich.

Artgerecht wäre nur eine Haltung unter natürlichen Verhältnissen. Für Wildschweine z.B. die Haltung im Freien verbunden mit Hunger, Mangelernährung, Tierkrankheiten und Parasiten sowie mehr als 70 % Tierverlusten. Vom Stress durch Frassfeinde ganz zu schweigen.

Auch die Ablehnung von Billigfleisch suggeriert minderwertiges Fleisch. Hier gibt es keine Kausalzusammenhänge, wie jährliche Rückstands- und Qualitätsüberprüfungen eindrucksvoll belegen. Nicht umsonst, gehört Deutschland zu den Exportweltmeistern von Nahrung. Zudem ist Fleisch in Deutschland im Vergleich zu seinen europäischen Nachbarländern in der Ladentheke nicht billig. Allerdings ist die Handelsspanne zwischen Verbraucher und Schlachtschweineerlös teilweise erheblich. So führen hohe Produktionskosten und niedrige Erlöse zu vielen Betriebsaufgaben und immer größeren Betriebsstrukturen.

Wenn die Bremer Bürgerschaft, die auf Fleisch- und Wurstimporte angewiesen ist, tatsächlich etwas Gutes für Tier und Landwirt tun will, dann sollte sie gezielt nach deutscher Ware fragen und möglichst nicht nur Edelteile wie Schinken, Rücken, Lachs und Filet einkaufen, sondern sich auch mal wieder auf die Zubereitung der weniger wertvollen, aber nicht minder schmackhaften Teilstücke besinnen. Das sind Handlungsoptionen, die fair wären.

Eine stumpfe Forderung nach mehr Produkten aus Ökolandwirtschaft, ist dagegen unfair gegenüber 98 Prozent der ordnungsgemäß wirtschaftenden zukunftsorientierten Landwirte. Das bestätigt auch die Auswertung aktueller Studien zum Ökolandbau, die ihm keine Leitbildfunktion zubilligen will. Dies hängt u.a. mit der Ressourcenausnutzung (hier: Boden) zusammen, die derzeit noch beim Biolandbau zu niedrig ist.


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